Hobbymaler-Dilettant-Autodidakt-Künstler

Das Wort „Hobby“, bei uns schon seit Jahrzehnten sprachlich in Gebrauch, verdrängte die bei uns das als „Steckenpferd“ und in Frankreich die als „Violon d’Ingres“ bezeichnete Tätigkeiten für künstlerisches Arbeiten, die rein zum Zeitvertreib und zur sinnvollen Freizeitgestaltung betrieben wurden.
Was aber hat das mit der Violine von Herrn Ingres zu tun, dem berühmten französischen Maler des 19. Jahrhunderts?
Ganz einfach: Der Maler spielte in seinen Mußestunden gerne Violine, eine aus Neigung und Liebhaberei gewählte Nebenbeschäftigung. Daraus formte sich der Begriff „Violon d’Ingres“. So konnte man also sagen „Emile Zolas Violon d’Ingres war die Fotografie“. Allerdings gebrauchen die Franzosen heute meistens das Wort „Hobby“, da dies moderner ist.

Auch bei den Deutschen gab es einen bildhaften Begriff für ihren Lieblingszeitvertreib: Das deutsche „Steckenpferd“, was nichts anderes als ein armer Verwandter des englischen “hobby horse” ist. Schaukeln konnte man darauf aber nicht.
Ein einfacher Stecken mit aufgesetztem Pferdekopf und Handgriffen ließ damit aber Generationen von Kindern ins Land der Fantasie reiten. Die Bezeichnung Steckenpferd ist im Laufe der Zeit aus der Mode gekommen und wurde durch das  Wort “Hobby” ersetzt.

Daneben gibt es aber noch die Geschichte des englischen „hobby horse“, das ursprünglich ein Pony war. So bezeichnete man bald ein Holzschaukelpferd, Liebling aller Kinder. Den Begriff „hobby horse“ gebrauchte man später für eine unterhaltsame Beschäftigung, mit dem sich Groß und Klein vergnügte. Das “Pferd” hat man weggelassen und nur das Wort “Hobby” beibehalten.
Freizeitkünstler sind also nach heutigem Sprachgebrauch Hobbykünstler.

Zu Goethes und Schillers Zeiten nannte man diese Liebhaber der Künste, welche sich mit der Bildkunst und dem plastischen Gestalten befassten, Dilettanten.
Über sie schrieb Goethe 1799, dass der Dilettant allemal das Gründliche scheut, die Erlernung der elementarsten Grundkenntnisse überspringt, um zur Ausübung zu gelangen. Weil der wahre Kunstbegriff dem Dilettanten meistenteils fehlt, ziehen sie immer das Viele und Mittelmäßige, das Rare und Köstliche dem Gewählten und Guten vor.
Ein Künstler, ein echter Kenner hat aber ein unbedingtes und ernsthaftes Interesse an der Kunst und an seinem Werk, der Dilettant hingegen immer nur ein halbes; er treibt alles als ein Spiel, als Zeitvertreib, als Hobby.

Ein Hobby zu haben schafft aber Freude, ist etwas Kreatives ganz für den allein, der es ausübt. Meist wird es nicht des Geldes wegen getan. Man tut es einfach, weil es glücklich und zufrieden macht und Selbstvertrauen gibt. Während man ein Bild malt und es für die Welt langsam sichtbar wird, ist es Malerei nur für sich und seine Freunde. Mit Gleichgesinnten gemeinsam ein paar Stunden zu malen, ist regenerierend und hat auch etwas Feierliches, wie eine heilige Messe.
Ein Hobby kann zur Passion werden. Denn wenn Personen, die sich der Kunstmalerei zuwenden, jahrelang ernsthaft, intensiv und autodidaktisch weiterbilden und zur künstlerischen Hochform auflaufen, werden sie wahre Künstler, manche gar echte Meister.
Die Geschichte kennt viele Maler, die diesen Weg beschritten. Max Ernst und Vincent Van Gogh haben es bewiesen, ebenso der Zöllner Henri Rousseau, den die Surrealisten später als einen Ihrer Vorläufer betrachteten.
Wenn diese dann als „Hobbymaler“ tituliert werden, gilt es als eine Herabstufung und nicht nach ihrem Wert eingestuft. Es dient dann auch oft neidvollen Malerkollegen als übles Schimpfwort.

Elmar Willié, Februar 2017

1 Kommentar

  1. Hallo lieber Elmar, soeben habe ich Deinen “Kommentar” über die sog. “Hobbymaler”gelesen und muss Dir beipflichten, unsere Arbeit wird oft milde belächelt und hinter der “Hand” als Schmiererei oder Stümperei betitelt, Diese Menschen denken aber nicht daran, wie viel Arbeit, Herzblut und auch Können hinter den Werken von uns “Hobbymalern” steckt, statt darüber zu spotten, sollten sie mal selbst versuchen, etwas künstlerisches zu schaffen, den meisten gelingt dies nicht und dann kommt der große Neid auf. Bitte mach weiter so !
    Viele liebe Grüße, alles Gute und noch viel Schaffenskraft wünscht Dir Jürgen

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